Unser Projekt
Donnerstag 16. Februar 2006 von Bruno Ulrich
Das letzte mal als ich über unser Projekt hier im Senegal geschrieben habe, war noch im vergangenen Jahr. Damals schrieb ich wie es hier in den Handwerksbetrieben zu und her geht und unter was für Umständen sie hier arbeiten. Mittlerweile haben Jona und ich diese Analyse abgeschlossen. Wir werden an diesem Samstag noch die Schlusssitzung mit den Verantwortlichen durchführen und Ihnen unsere Resultate präsentieren. Bin mal gespannt wieviele Leute kommen werden, wann die Sitzung beginnen wird und ob wir unsere Ziele für die Sitzung erreichen werden.
Während sich die Arbeit in Parcelles langsam dem Ende zuneigt und wir fleissig am Bericht schreiben sind, ist der andere Projektteil noch immer voll am laufen. In diesem Teil analysieren wir die Sammel- und Recyclingstrukturen im Senegal und hauptsächlich hier in Dakar. Unser edles Ziel wird es schlussendlich sein, eine Datenbank von den Akteuren in diesem Bereich zu erstellen. Hierzu verwenden wir unsere vorgängig gesammelten Informationen aus dem Internet und von anderen NGO’s und gehen bei den Unternehmen meist einfach mal so vorbei und fragen nach, ob sie Abfall verarbeiten. Was auf den ersten Blick nach einer Kleinigkeit aussieht ist vor Ort oft doch noch ein bisschen komplizierter. Da wir bei der zuständigen staatlichen Stelle (nicht das Innenministerium - siehe Artikel Behörden) keine Information erhalten haben und die Internetseiten nicht die Aktuellsten sind, versuchten wir über die "Récupérateure" auf der Strasse und der Deponie, Firmennamen zu erhalten. Da wir uns in diesem Bereich eigentlich ausschliesslich im informellen Bereich bewegt haben, ist auch hier die Informationsbeschaffung nicht ganz einfach. Es gibt aber überhaupt keinen Grund zu jammern, denn durch die Zusammenarbeit mit anderen NGO’s, haben wir schon etliche Adressen erhalten und erhielten Einblicke in den informellen Bereich welche extrem spannend und interessant sind. So haben wir noch eine lange Liste von Unternehmen und Organisationen welche wir befragen möchten um ggf. in unsere Datenbank aufzunehmen.
Wir gingen auch nochmals nach Mbeubeuss und durch einen Kontakt mit einer NGO vor Ort (Enda - Tiere Monde) haben wir wesentlich mehr Informationen gekriegt als bei unserem ersten Besuch. Damit man sich aus der Ferne ein Bild von der Deponie machen kann hier ein paar Zahlen und Fakten:
Sie besteht seit 1968 und ist eine offene und unorganisierte Deponie, die mittlerweile 60ha einnimmt und sich mitten in einem See befindet. Mittlerweile nimmt sie 25% der Seefläche ein. Pro Tag werden 1200t Haushaltsabfaelle geliefert, davon stammen 880t aus den Haushalten selbst, 180t von den Märkten und 50t von der Strassenreinigung. 295t/Monat kommen an Industrieabfällen und 125t/Monat aus den Krankenhäusern dazu. Es arbeiten ca. 500 Récupérateure auf der Deponie, die sich in zwei verschiedenen Bereichen angesiedelt haben: In einem Bereich werden die Industrieabfälle gesammelt und sortiert, in dem anderen die Haushaltsabfälle.
Im Gegensatz zu jeglichem anderen Abfall mit Wiederverwertungspotential, sind die Metalle die einzigen Rohstoffe, bei denen die Sammel- und Verwertungswege mehr oder weniger nachvollziehbar sind. Eine klare Übersicht ist dennoch nicht möglich. Einzelne „Récupérateure“ ziehen mit kleinen „Schubkarren“ durch die Strassen und sammeln, was sie finden: Blei-, Aluminium-, Bronze-, Eisen- und Kupferabfälle. Die gesammelten Stoffe nehmen dann verschiedene Wege, bis sie bei einem Grosshändler landen, welcher das Material meist nach Europa exportiert.
Beim Plastik haben wir ein Unternehmen in Thiès besucht, welches Altplastik ankauft und daraus wieder einen verwendbaren Rohstoff produziert. In diesem kleinen Betrieb wird das Plastik von Hand verkleinert und gewaschen bevor es dann durch die Mühle geht. Leider haben wir beim Plastik noch nicht so viel rausgefunden. Wir nehmen deshalb an, dass im Plastikrecycling noch ein grosses Potential vorhanden wäre, zumal der Rohstoff in grossen Mengen importiert wird.
Wenn man so durch die Strassen von Dakar läuft und alles verschmutzt und dreckig aussieht kriegt man denn Eindruck, dass hier gar nichts funktioniert und die Abfallsituation ganz und gar ungelöst ist. Auch die Tatsache, dass die Deponie in Mbeubeuss am "Überlaufen" trägt zu diesem Bild bei. Wenn man aber die Situation ein bisschen genauer anschaut und man sich damit beschäftigt sieht man doch Licht am Horizont. Klar ist, dass das Abfallproblem nicht von heute auf morgen gelöst werden kann. Klar ist auch, dass es dazu noch unglaubliche Anstrengungen benötigt. Wenn man aber sieht was im kleinen Rahmen schon jetzt alles wiederverwendet wird und welche Kreisläufe das Material zum Teil jetzt schon geht ist man vom Einfallsreichtum der Senegalesen erstaunt. Vieles wird wiederverwendet, kriegt eine neue Verwendung und schafft die notwendige Arbeit um den Lebensunterhalt zu bewerkstelligen. Besonders im informellen Sektor der Abfallverarbeitung kriegt der Satz des Physikers Lavoisier eine ganz neue Bedeutung:
Nichts geht verloren, nichts wird gebildet, alles wird umgewandelt!



